Herausforderung? Bloß nicht!

Für die Suche nach einem neuen Job gibt es ein Synonym: Die Herausforderung. Dieser Begriff hat sich etabliert, ist salonfähiger klingt besser als die profane Jobsuche. Er will mehr sagen und mehr sein. Aber gelingt ihm das?

Was bitte ist eine Herausforderung?

Der Begriff dürfte für sich sprechen. Wer herausfordert, wird zum Gegner. Selbst beim Schachspiel mit dem besten Freund ist das so. Der neue Job, der neue Arbeitgeber als Gegner? Das würde nicht lange halten und ist wohl auch nicht so gemeint. Also versuchen wir es noch einmal.

Wer eine Herausforderung sucht und den neuen Job meint, möchte sich Anforderungen stellen und sie meistern. Die Hürde sollte dabei wohl nicht zu niedrig sein, denn sonst ist die Herausforderung keine. Richtige Cracks auf Olympia-Niveau nehmen die Hürde ohne mit der Wimper zu zucken. Nachwuchssportler tun sich in Moment noch etwas schwerer, werden aber in ein paar Jahren soweit sein. Blutige Anfänger stolpern verlässlich über Fußschemel. Wie hoch muss die Hürde also sein? Die richtige Antwort: Das kommt darauf an.

 

Die Lebenssituation bestimmt die Herausforderung

Ein Berufseinsteiger sucht Hürden, an denen er wachsen kann, ohne sich die Beine bei den ersten Versuchen zu brechen. Experten nehmen sowieso schon jeden Tag alle Hürden. Quereinsteiger wollen sich ausprobieren, sie sind sozusagen die vielversprechenden Geheimtipps.. Wiedereinsteiger haben schon früher gezeigt, was sie können und wollen wieder richtig auf Touren kommen. Dazwischen jede Menge Berufserfahrene mit unterschiedlichen Erwartungen an die Hürden, die sie nehmen wollen. Je erfahrener, umso höher die Erwartung an die Hürde. Vom Sport in die profane Berufswelt übertragen, signalisiert die Suche nach der Herausforderung den Willen, Leistung zu zeigen und zu wachsen. Anders als die profane Jobsuche signalisiert der Wunsch nach einer Herausforderung ein versprechen an den zukünftigen Arbeitgeber: Von mir kannst du viel erwarten, ich kämpfe an deiner Seite! Das Signal ist stark, aber es bringt uns dem Ziel nicht viel näher. 

 

Kochlöffel oder Skalpell?

Aus einen Spitzenkoch wird nicht automatisch ein Spitzenarzt, der brillante Chirurg wird nicht in wenigen Wochen ein Sternerestaurant eröffnen. Neben den fachlichen Voraussetzungen müssen Erfahrung und Spezialisierung beschrieben sein. Auch ein paar Randbedingungen wir regionaler Radius oder individuelle Gegebenheiten gehören ins Bild. Aber ein ganz wichtiger Aspekt fehlt immer noch: Wieviel darf denn noch draufgelegt werden, damit die Hürde tatsächlich als Herausforderung gilt? 

Die unklare Zielsetzung ist die größte Hürde bei der erfolgreichen Suche nach dem nächsten Job. Weiterentwicklung wird zufällig, wenn sie nicht auf ein klares Ziel hin geschieht. Zwar lässt sich keine Karriere vom Schulabschluss bis zum Renteneintritt durchplanen, das wäre wahrscheinlich elend langweilig. Menschen ändern sich, orientieren sich beruflich mehrmals neu. Meistens beginnt diese Neuorientierung mit einer diffusen Unzufriedenheit, die in den Wunsch nach Veränderung mündet. Wer mit einem klaren Plan in die Veränderung aufbricht, kommt schneller und sicherer an. 


Klare Zieldefinition macht die Herausforderung erreichbar

Wer Unterstützung bei der Jobsuche will, wird nur dann erfolgreich sein, wenn er sein Ziel klar benennt. Selbst in Profilen bei LinkedIn und Xing finden sich nur ganz selten klare Zielbeschreibungen. Ohne sie mutiert der Wunsch nach einer knackigen Herausforderung zu einer Jobsuche mit Beliebigkeit. Wer erfolgreich einen neuen Job finden will, tut sich selbst einen großen Gefallen, sein nächstes berufliches Ziel klar zu beschreiben. Dann kann ihm geholfen werden.