Schlauer Schachzug Lebenslauf-Titelseite

Für die Personalabteilung ist das Anschreiben der zunächst wichtigste Teil der Bewerbung. Fachentscheider dagegen bewerten den Lebenslauf oft höher. Oft  bleibt das Anschreiben auf seinem Weg durch die Instanzen irgendwo hängen. Schade nur, dass damit auch die differenzierende Selbstpräsentation auf der Strecke bleibt. Was kann ein Bewerber tun, um diese Selbstpräsentation sicher bis in die Fachabteilung zu retten? Er baut eine einfache und sehr wirkungsvolle Lebenslauf-Titelseite, die ihn deutlich von anderen Bewerbern differenziert und so einen klaren Wettbewerbsvorteil verschafft. Um diese soll es hier gehen.

Die Lebenslauf-Titelseite soll ähnlich wirken wie der Einband eines Buches. Sie soll neugierig machen auf den Inhalt, also auf die Person hinter der Bewerbung. Damit es sicher seinen Weg durch die Instanzen nimmt, hilft ein Trick: die Kontaktdaten auf der Titelseite und nicht im Inneren des Lebenslaufes unterbringen. Hier können Bewerber sich attraktiv machen für die angebotene Position, komprimiert und unübersehbar, denn der Lebenslauf wird gelesen, todsicher. So entsteht die Lebenslauf-Titelseite:

Harriet Kruse Deckblatt

Das großformatige Foto (in etwa halbe Postkartengröße, DIN A7) dient als Eyecatcher und hilft beim Wiederauffinden. Personalentscheider lesen Dutzende von Bewerbernamen, die schnell vergessen werden, aber ein einprägsames Foto findet sich per Daumenkino auch im dicksten Bewerbungsstapel wieder. Eine ansehnliche Lebenslauf-Titelseite ist ganz nebenbei eine wirksame Verpackung.

Das Wichtigste aber sind die Spiegelpunkte unter dem Bild. Dieser Text ist die persönliche Elevator Pitch: Was kann ich gut? Was macht mich aus? Was hat mein neuer Arbeitgeber von mir?

Dabei sind einige Dinge wichtig, damit die Elevator Pitch überzeugend wirkt:

  • Nie mehr als fünf oder sechs Spiegelpunkte auflisten. Die menschliche Aufmerksamkeit erfasst maximal sieben solcher Punkte. Das braucht nicht bis ans Ende ausgereizt werden, weniger ist hier wieder mal mehr.
  • Personalentscheider lesen und bewerten Bewerbungen im Licht der ausgeschriebenen Position. Deswegen ist es wichtig, Kernaussagen der Job Description aufzugreifen. In diesem Text sind es: Webentwicklung und die genannten Tools, „harte Nüsse knacken“, “Lösungsmuster entwickeln”, nachweisbare Erfolge, hohe Einsatzbereitschaft.
  • Der Verweis auf Zeugnisaussagen ist ein guter Schachzug, persönliche Eigenschaften glaubhaft zu machen. So klingen Sie nicht nach Selbstbeweihräucherung, sondern werden zu unabhängigen Belegen für Kompetenz. Es versteht sich von selbst, dass der Verweis dem Lesen der Arbeitszeugnisse standhalten muss, damit er wirkt.
  • Nicht immer müssen Schlüsselwörter und Kernaussagen 1:1 wörtlich in den Text einfließen. Ein gründliches Studium des Jobinserats und der Unternehmenswebseite hilft dabei, die Philosophie des Arbeitgebers zu ergründen. In diesem Beispiel wird die Arbeitsphilosophie der Bewerberin klar und transportiert so die Botschaft zwischen den Zeilen: Ich passe zu euch!

Die Lebenslauf-Titelseite: keine one-fits-all-Lösung!

Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt: eine solche Elevator Pitch ist so individuell wie Sie und die Position, auf die Sie sich bewerben. Auch wenn es nur ein paar Zeilen sind: Nehmen Sie sich Zeit fürs Nachdenken, was Sie für diese Stelle zu bieten haben und wie Sie diese Kompetenzen als Alleinstellungsmerkmal im Licht der Anforderungen positionieren können. Eine gute Elevator Pitch braucht schon mal ein, zwei ganze Tage, bis ihre Aussagekraft sitzt.

Der Aufwand lohnt sich. Denn die Elevator Pitch hat das Potenzial, Sie als Bestseller aus der Masse der Bewerbungen heraus zu heben. Sie gewinnen wahrscheinlich nicht den Literatur-Nobelpreis, aber vielleicht Ihren Traumjob. Und das ist doch schon eine ganze Menge. 

Und was ist, wenn die Elevator Pitch so gar nicht aufs Papier fließen will? Dann könnte das ein Zeichen sein, dass dieser Job doch nicht wirklich zu Ihnen passt.

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